Gold gewinnt wieder an Glanz
In den Jahren seit 2005 hat das Gold eine beeindruckende Rückkehr auf das Parkett der internationalen Finanzmärkte verbuchen können. Auf der anderen Seite ging die Bedeutung der Schmuckindustrie und einiger anderer Industriebereiche als Abnehmer zum Teil deutlich zurück. So war es am Ende vorwiegend das Engagement privater und institutioneller Investoren, welche den Goldpreis im 1. Quartal 2008 nicht nur über die vorherige Rekordmarke von $ 850 je Unze vom Januar 1980 steigen ließ, sondern das Metall erstmals auch über das psychologisch wichtige Preisniveau von $ 1.000 je Unze katapultierte.
Am Ende erreichte das Metall schließlich einen Spitzenpreis von $ 1.030 für eine Unze (31,1035 Gramm), bevor die Notierung wieder deutlich unter die Marke von $ 1.000 fiel.
Die treibenden Motive hinter den Käufen der Anleger waren die seit drei Jahren andauernde Schwäche des US-Dollars und sowie der Höhenflug des Ölpreises auf zeitweise über $ 160 je Barrel. Ersteres war für die Investoren der Anlass, nach Anlagealternativen zum Dollar suchen, wobei die Wahl u.a. auch auf Gold fiel, letzteres führte zu steigenden Inflationszahlen und Gold profitierte hier von der ihm seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zugesprochenen Rolle als Instrument zur Absicherung in Zeiten hoher Inflation.
Kein bisschen knapp: 160.000 Tonnen Gold wurden gefördert, fast alle sind noch da
Trotz der starken Preissteigerungen in den Jahre 2005 – 2008 bestand aber zu keinem Zeitpunkt die Gefahr, dass der Welt das Gold in irgendeiner Form „ausgehen“ könnte. Analysten gehen davon aus, dass im Laufe der Geschichte rund 160.000 Tonnen des gelben Metalls gefördert wurden und nur ein sehr kleiner Teil davon sei verbraucht worden oder verloren gegangen. Auf der anderen Seite kommen zu dieser Menge jedes Jahr rund 2.500 Tonnen Gold neu hinzu. Diese Zahl nimmt allerdings seit 2001, dem Jahr der mit 2.645 Tonnen höchsten jemals verzeichneten Förderung, kontinuierlich leicht ab. Anders als bei den Platinmetallen ist die Förderung von Gold global breit gestreut. Größtes Produzentenland ist seit 2007 China, aber auch sein Anteil liegt bei nur etwas über zehn Prozent der Gesamtmenge. An zweiter Stelle liegt mit rund 250 Tonnen Südafrika, das davor seit 1905 die Rangliste der goldproduzierenden Länder angeführt hatte. 1970 waren am Kap noch 1.000 Tonnen Gold gefördert worden, damals war das Land für 80% der globalen Ausbringung verantwortlich. Auf den weiteren Plätzen folgen Australien und die USA, beide mit ebenfalls über 225 Tonnen pro Jahr. Die Nummer 5 der Weltrangliste, Peru, ist mit 165 Tonnen bereits deutlich abgeschlagen.
Das jährliche Angebot wird komplettiert durch Zentralbankverkäufe, die 2007 noch bei 480 Tonnen gelegen haben und 2008 vermutlich deutlich darunter liegen werden, sowie durch ein erhebliches Aufkommen an Altgold. Dieses lag 2007 bei etwa 1.000 Tonnen, 2008 dürfte die Zahl aufgrund der hohen Preise deutlich über dieser Marke liegen.
Größter Halter von Gold sind heute aber weder die Zentralbanken, noch die Investoren, mit über 82.500 Tonnen liegt fast die Hälfte des jemals geförderten Goldes in Form von Schmuck vor. An zweiter Stelle stehen schließlich die Zentralbanken mit knapp 30.000 Tonnen, private Investoren folgen knapp dahinter an dritter Stelle. In unterschiedlichen industriellen Anwendungen werden derzeit etwas über 19.000 Tonnen eingesetzt.
Förderung wird auch in Zukunft kaum wieder ansteigen
Minengesellschaften sehen sich heute großen Herausforderungen gegenüber, wenn es darum geht, die Neuförderung an Gold einigermaßen stabil bei den oben erwähnten 2.500 Tonnen zu halten. Während ältere Minen verstärkt an das Ende ihrer Lebensdauer kommen, gibt es weltweit nur wenige bereits entdeckte, aber noch nicht erschlossene Vorkommen. Bergbauingenieure weisen in diesem Zusammenhang außerdem darauf hin, dass es zehn Jahre von der Entdeckung eines Vorkommens bis zum Beginn der Ausbeutung dauern kann. Auch aus diesem Grund kann die Ausbringung von Gold, wenn überhaupt, nur sehr langsam steigen.
Andererseits nimmt auch der notwendige Aufwand bei der Goldförderung in bereits bestehenden Minen immer weiter zu. So müssen z.B. einzelne Minengesellschaften in Südafrika inzwischen in Tiefen bis zu 4.000 Metern vorstoßen, um das gelbe Metall überhaupt gewinnen zu können. Der hierfür zu betreibende Aufwand ist nicht nur ein technologischer Kraftakt, er erhöht gleichzeitig auch die ohnehin steigenden Produktionskosten noch zusätzlich. So haben in den letzten Jahren für alle Minen die Aufwendungen z.B. für Energie, Kraftstoffe und Stahl in erheblichem Maße zugelegt. Und auch die Personalkosten sind dank der Lohnsteigerungen der vergangenen Jahre in dieser personalintensiven Industrie deutlich gestiegen.
In den kommenden Jahren dürfte aus den genannten Gründen lediglich die Produktion in Russland und in China weiter steigen. In den anderen bedeutenden Förderländern wird die Tendenz dagegen vermutlich eher noch fallen.
Auch die Verkäufe der Notenbanken haben ihren Zenit überschritten und werden in Zukunft wohl deutlich nach unten zeigen. Das 2009 auslaufende Abkommen der europäischen Notenbanken dürfte zwar ein weiteres Mal verlängert werden, es wäre aber eine Überraschung, wenn sich die Notenbanken erneut eine jährliche Verkaufsmenge von 500 Tonnen zubilligen würden, nachdem diese Menge schon 2007 und 2008 verfehlt wurde.
Schwer einzuschätzen, weil ausschließlich ein Frage der Höhe des Goldpreises, ist die Entwicklung des Altgoldangebots. Sollte der Goldpreis wieder deutlich über $ 1.000 je Feinunze steigen, ist mit einem erhöhten Zufluss an Altmaterial auf den Markt zu rechnen, der sich dann auch korrigierend auf die weitere Preisentwicklung auswirken dürfte. Falls der Preis jedoch zwischen $ 750 und $ 1.000 verharrt, dürfte die dem Markt zufließende Menge an Altgold eher bei 900 als bei über 1.000 Tonnen liegen.
Nachfrage hängt weiter zu großen Teilen am Schmuckabsatz
Nicht nur die Höhe des Altmetallanfalls auf der Angebotsseite ist stark von der jeweiligen Höhe des Goldpreises abhängig, sondern auch eine Reihe von Absatzgebieten auf der Nachfrageseite. Hierzu gehört zu allererst die Schmuckindustrie, deren Kunden in einigen Teilen der Welt zum Teil extrem preissensitiv sind. Im Jahr 2007 hatte die Schmuckindustrie einen Anteil am weltweiten Goldabsatz von noch immer über 60 Prozent. Zu Beginn der Dekade hatte die Nachfrage nach Goldschmuck noch bei über 3.200 Tonnen gelegen, 2007 lag sie trotz des noch immer hohen Prozentsatzes dann bei nur noch 2.400 Tonnen.
Industrielle Anwendungen lagen im vergangenen Jahr mit fast 460 Tonnen auf einem Rekordniveau. Hier wirkte sich vor allem der weltweite Wirtschaftsboom aus, der die Elektronikindustrie (Absatz hier rund 300 Tonnen) beflügelte. Rückläufig ist dagegen die Nachfrage aus dem Dentalbereich, sie lag zuletzt bei 60 Tonnen und damit bei nur noch 1,5% der weltweiten Nachfrage. Eine Vielfalt anderer industrieller Anwendungen trägt knapp 100 Tonnen zum Absatz bei.
Beim Vergleich mit den anderen Edelmetallen gibt es beim Gold die Besonderheit, dass die Minen mit Käufen von fast 500 Tonnen auch auf der Nachfrageseite zu finden sind. Ursache dafür ist, dass sie seit dem Jahr 2000 in bisher jedem Jahr aktiv Teile ihrer im letzten Jahrzehnt abgeschlossenen Terminsicherungsgeschäfte vorzeitig (und oft mit Verlust) schließen. Allerdings ist hier ein Ende absehbar. Nach voraussichtlich noch einmal etwa 500 Tonnen im laufenden Jahr dürfte diese Menge 2009 drastisch zurückgehen und als Unterstützung für den Goldpreis wegfallen.
Anleger verhelfen dem Gold 2008 zu neuem Preisrekord
Angesichts der eher gemischten Nachrichten, was den Absatz im Industriebereich angeht, waren es in den letzten Jahren vor allem die Investoren, die mit ihrer neu entdeckten Liebe zum Gold dessen Preis so sehr nach oben trieben. Ein wichtiger Grund für die Popularität des Goldes war die Entwicklung neuer Finanzprodukte, die es auch institutionellen Anlegern erstmals ermöglichte, direkt in Gold zu investieren und nicht länger den Umweg über ein Investment in Minenaktien gehen zu müssen.
In den Jahren 2005 – 2008 kauften Anleger zeitweise bis zu 1.000 Tonnen Gold in Form von Exchange Traded Funds (ETFs) auf. Hinzu kam noch der zeitweise rekordverdächtige Absatz an Barren und Münzen, sowie die Ausweitung der Pluspositionen an den Terminbörsen.
Die sich ab dem 3. Quartal 2008 ausweitende Finanzkrise sorgte dann aber für eine Flucht der Investoren aus vermeintlich spekulativeren Anlagen, überraschenderweise war hiervon auch das „Krisenmetall“ Gold betroffen. Vor allem die genannten Positionen an den Terminbörsen wurden in erheblichem Maß abgebaut, die entsprechenden Verkäufe dürften in erheblichem Maße zu dem Preisverfall beigetragen haben.