Metall zwischen Industrierohstoff und Geldanlage
Silber hat mehr als jedes andere Edelmetall zwei Gesichter. Auf der einen Seite ist es ein relativ häufig vorkommendes Industriemetall, auf der anderen hat es unter Geldanlegern leidenschaftliche Anhänger, die ihm als Investment eine große Zukunft zubilligen. Nicht immer lassen sich die Entwicklungen auf beiden Seiten problemlos miteinander vereinbaren.
Zehnmal öfter vorkommend als Gold und hundertmal häufiger als Platin
Das Silber ist das mit großem Abstand das am häufigsten vorkommende Element unter den Edelmetallen. Beinahe 23.000 Tonnen werden hiervon jedes Jahr neu gefördert. Nur zum kleineren Teil handelt es sich um sog. Primärproduktion, d.h. dass das Silber in der jeweiligen Mine das Hauptprodukt ist. Sehr viel häufiger kommt es vor, dass es nur ein Beiprodukt bei der Ausbringung anderer Metalle ist, so vor allem bei der Kupfer-, der Blei- und der Goldproduktion. Größte Produzentenländer sind Peru, Mexiko, China, Bolivien und Australien, sie stellen zusammen knapp 60% der Weltjahresproduktion. Größter einzelner Silberproduzent ist BHP Billiton, für die größte Menge aus einer einzelnen Mine zeichnet der polnische Kupferproduzent KGHM verantwortlich.
Analysten schätzen, dass bis heute weltweit insgesamt 1,3 Mio. Tonnen Silber gefördert wurden, anders als bei Gold und den Platinmetallen der größte Teil schon vor der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Insgesamt kommen jedes Jahr fast 30.000 Tonnen auf dem Markt
Das alljährliche Angebot aus der Neuproduktion erhöht sich um weitere 5.200 Tonnen, die aus Recyclingquellen stammen, sowie um rund 500 Tonnen, die von offiziellen Stellen, wie etwa Zentralbanken verkauft werden. Alles in allem stehen dem Markt damit knapp 30.000 Tonnen Silber pro Jahr zur Verfügung; eine Zahl, die im Durchschnitt in den letzten zehn Jahren mehr oder weniger konstant blieb.
Angebot wird in Zukunft eher steigen
Das zukünftige Angebot an Silber wird weniger durch den Silberpreis selbst bestimmt, vielmehr ist es in erster Linie abhängig von der Entwicklung der Produktion der NE-Metalle Kupfer und Blei. Der gravierende Preisanstieg der vergangenen Jahre auch bei diesen Metallen hat zuletzt zur Erschließung einer Reihe neuer Minen geführt, die dem Markt schon in nächster Zeit auch verstärkt Silber zuführen dürften. Gleichzeitig ist aber nicht damit zu rechnen, dass die zuletzt schon deutlich rückläufigen Verkäufe von Notenbanken und anderen staatlichen Stellen noch einmal gravierend zulegen können. Netto dürfte das Angebot an Silber in den nächsten Jahren deshalb nur leicht zulegen.
Industrielle Nachfrage kann mit Angebotsausweitung nicht Schritt halten
Die industrielle Nachfrageseite konnte in den vergangenen Jahren mit der Angebotsentwicklung nicht Schritt halten, allerdings wurde dieser Umstand mehr als ausgeglichen durch ein wiedererwachtes Kaufinteresse von Anlegern. Zu letzteren gehören langfristig orientierte Investoren ebenso wie kurzfristig agierende Spekulanten. Beide Gruppen haben zwischen 2005 und 2010 tausende von Tonnen des Metalls akkumuliert, vorwiegend in Form der neu auf den Markt gebrachten Exchange Traded Funds (ETFs), aber auch physisch, in Form von Barren und Münzen.
Weites Einsatzspektrum als Industriemetall
Zwar reichten die Käufe der Investoren in den letzten Jahren aus, um den Preis deutlich steigen zu lassen, das eigentliche Fundament der Nachfrage bilden aber nach wie vor die verschiedenen industriellen Applikationen. Diese sind, mehr als bei jedem anderen Edelmetall, breit gestreut. Erhebliche Mengen werden z.B. in der Elektronikindustrie eingesetzt, daneben wird Silber für Beschichtungen genutzt, so u. a. von der Photovolatik-Industrie, sowie von Herstellern von Plasmabildschirmen und von Spiegeln. Auch als Bestandteil von Batterien spielt das Metall noch immer eine wichtige Rolle. Relativ neue Anwendungen sind außerdem die „wiederentdeckte“ Nutzung bei der Entkeimung von Wasser, sowie die Verwendung in RFID-Chips. Alles in allem werden von all diesen Bereichen mehr als 50% des zur Verfügung stehenden Metalls absorbiert.
Ein noch immer wichtiger Verbraucher von Silber ist auch heute noch die Fotoindustrie. Hier wird das Metall zur Beschichtung von Filmen und von Fotopapier eingesetzt. Insbesondere der erstgenannte Bereich befindet sich allerdings seit dem Beginn des Siegeszuges der digitalen Fotografie unter erheblichem Druck. Dieser verstärkt sich eher noch, seit auch die Röntgenfotografie überwiegend digital erfolgt. Insgesamt ist die Fotoindustrie aber noch immer für 15% der weltweiten Silbernachfrage verantwortlich, dieser Anteil bleibt seit einigen Jahren mehr oder weniger konstant, nachdem 1998 der Anteil noch bei über 25% lag.
Der Schönheit des Silbers zugetan
Seit dem Altertum ist das Silber auch ein Metall, aus dem Schmuck, Kunst-, aber auch Gebrauchsgegenstände hergestellt werden. Diese Einsatzgebiete bilden auch im 21. Jahrhundert noch immer einen wesentlichen Bestandteil der Silbernachfrage. Mit fast 7.000 Tonnen pro Jahr ist der Absatz hier inzwischen fast doppelt so hoch wie die Nachfrage der Fotoindustrie. Trotzdem - wenn auch nur leicht - zeigt der Verbrauch auch hier nach unten. Verantwortlich dafür ist allerdings weniger eine rückläufige Popularität des Silbers als Schmuckmetall. Dieses Feld ist für fast Dreiviertel des Absatzes in diesem Bereich verantwortlich und auf hohem Niveau stabil. Vielmehr hat sich in den vergangenen zehn Jahren der Verkauf an Silberwaren im Haushaltsbereich auf 1.800 Tonnen reduziert und damit praktisch halbiert.