Um das Jahr 1700 herum kam es dann zum ersten klassischen Goldrausch. Die Entdeckung von Goldvorkommen in den Flüssen Brasiliens ließ Abenteurer aus der gesamten Kolonie und sogar aus dem Mutterland Portugal in die Gebiete landeinwärts strömen. Im Jahr 1720 war Brasilien zum größten Goldproduzenten der Welt aufgestiegen, mit über 15 Tonnen lieferte es fast zwei Drittel des insgesamt geförderten Metalls. Der Goldrausch im größten Land Südamerikas trug bereits alle Merkmale jener späteren Züge in vielen Teilen der Welt und doch sollte es noch einmal fast 130 Jahre dauern, bis es zum nächsten wirklichen Rennen nach dem Gold kam.
Im Jahr 1848 wurden in Kalifornien umfangreiche Goldvorkommen entdeckt. Der Zug der Goldsucher in den Westen der USA riss daraufhin nicht mehr ab und schon nach kurzer Zeit waren die Vereinigten Staaten an die Spitze der Produzentenländer katapultiert worden. Verdrängt vom Platz eins wurde aber nicht Brasilien, das lange zuvor die Liga angeführt hatte, sondern das zaristische Russland. Dort waren in der Mitte des 18. Jahrhunderts umfangreiche Lagerstätten im Bereich des Urals gefunden worden, was zur Folge hatte, dass Jekaterinenburg zum Zentrum der russischen Goldproduktion wurde.
Aber nicht nur in Kalifornien wuchs dem zaristischen Russland eine ernstzunehmende Konkurrenz um den ersten Platz. Ende 1850 kehrte ein australischer Goldsucher aus Kalifornien kommend zurück in die Heimat. Er wettete noch auf dem Schiff, dass er nur eine Woche bräuchte, um auch in Australien ähnliche geologische Formationen wie jene, die er aus Kalifornien kannte, zu finden und so ebenfalls Goldlagerstätten zu entdecken. Edward Hargraves sollte Recht behalten. Tatsächlich nur eine Woche nach seiner Ankunft auf dem fünften Kontinent entdeckte er im Macquarie River in New South Wales das erste Gold. Der australische Goldrausch hatte damit nur rund zwei Jahre nach jenem in Kalifornien begonnen. Hargrave wurde für seine Verdienste später reich belohnt: Er wurde durch Queen Victoria zum Verwalter jener Gebiete bestellt, in denen er das Gold gefunden hatte und hatte damit finanziell ausgesorgt. Für das Mutterland England und den Markt in London waren diese Funde gleichermaßen entscheidend. Während das meiste amerikanische Gold im Land blieb, fand das australische Gold seinen Weg nach Europa und festigte die Bedeutung Londons als wichtigsten Goldhandelsplatz der Welt.
Den letzten Goldrausch im klassischen Sinne gab es schließlich 1896, als zwei kanadische Goldsucher Vorkommen in der Gegend des Yukon Rivers entdeckten. Diese Vorkommen am Klondike gingen nicht nur in die Literatur ein, sie waren auch diejenigen von allen Goldfeldern, die den Goldsuchern am meisten abverlangten. Von hunderttausend Menschen, die sich auf den Weg nach Dawson City, jener Goldgräberstadt im Zentrum der Vorkommen, machten, kamen nur etwa 30.000 bis 40.000 an. Von diesen wiederum haben nur etwa 5.000 tatsächlich nach Gold gesucht, nur einige hundert wurden wirklich dabei reich. Alles in allem dauerte der Goldrausch am Klondike ganze drei Jahre. 75 Tonnen Gold wurden in dieser Zeit aus den Flüssen und aus der Erde geholt, dann sank die Bevölkerungszahl von Dawson City, das zwei Jahre lang die größte kanadische Stadt nördlich von Winipeg war, wieder in sich zusammen. Zwar wurde noch bis 1966 in der Gegend Gold gefördert, die aufregendste Zeit war da aber schon lange vorbei.
Schon zehn Jahre vor jenem Goldrausch im Norden Kanadas wurde Gold an einer ganz anderen Stelle des Globus entdeckt, nämlich in Südafrika. Hier allerdings beherrschten von Anfang an nicht die Glücksritter und die klassischen „Digger“ die Szene, sondern kapitalstarke und mit hohem technischen und fachlichen Einsatz zu Werke gehende Unternehmen. Schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte es in Südafrika einige Goldfunde gegeben, jedoch standen sie immer im Schatten der gewaltigen Diamantenfunde von Kimberley in der Kap-Provinz. 1886 änderte sich das Bild. Jene Vorkommen bei Johannesburg im damals unabhängigen Burenstaat Oranje-Freistaat, die auch heute noch jedes Jahr große Mengen an Gold liefern, wurden damals entdeckt. Schnell übernahmen jene Unternehmen, die bereits die Vormacht bei der Ausbeutung der Diamantenvorkommen gewonnen hatten, die Kontrolle. Am Anfang standen sie jedoch vor scheinbar unlösbaren Problemen. Geologisch unterschieden sich nämlich die Vorkommen in Südafrika von jenen in anderen Teilen der Welt. Es gab keine Goldklumpen (Nuggets), nach denen man hätte graben können, es gab nicht einmal sichtbare Spuren des Goldes. Es war nämlich am Witwatersrand nicht in Erzadern enthalten, sondern direkt im Gestein, in sog. Primärvorkommen. Und damit war es nur sehr schwer zu gewinnen. Erst die Entdeckung eines neuen technischen Verfahrens zur Lösung des Goldes aus dem Gestein durch einige englische Wissenschaftler brachte die Abhilfe und verhalf der Förderung von Gold am Kap der Guten Hoffnung, die 1890 schon vor dem Aus zu stehen schien, zu ihrer bis 2007 erfolgreich verteidigten Spitzenstellung. Wurden 1887 nur 1,2 Tonnen Gold, und damit nur 0,8% der Weltfördermenge in Südafrika gewonnen, waren es fünf Jahre später schon 30 Tonnen, eine Zahl, die bis in die siebziger Jahre, als über 1.000 Tonnen pro Jahr gefördert wurden, stetig anstieg. Erst dann ging auf Grund der hohen Kosten für die Etablierung neuer Minen, der großen technischen Schwierigkeiten dabei und wegen des abnehmenden Goldgehaltes im Gestein selbst die Produktion langsam aber sicher zurück. Fast vierzig Jahre nach dem Produktionsrekord im Jahr 1970 werden aber noch immer rund 260 Tonnen im Jahr in Südafrika gefördert. Insgesamt haben das Land in über einem Jahrhundert rund 60.000 Tonnen Gold verlassen und damit fast die Hälfte jenes Goldes, das in den letzten sechs Jahrtausenden irgendwo auf der Erde gefördert wurde.
Trotz der oben beschriebenen Funde zählt Gold jedoch nicht zu den wirklich häufig vorkommenden Elementen. Insgesamt wurden der Erde bis heute rund 160.000 Tonnen des edlen Metalls abgerungen. Was sich auf den ersten Blick nach einer Menge anhört, ergibt zusammengenommen gerade einmal einen Würfel, der nicht viel größer ist als die Durchfahrt des Brandenburger Tores in Berlin.