Für viele Unternehmen bilden die hohen absoluten Edelmetallpreise und ihre starke Volatilität ein erhebliches Dilemma mit unter Umständen ernsthaften Folgen für die eigene Gewinn- und Verlustrechnung. Aus diesem Grund gehen mehr und mehr Edelmetallverbraucher dazu über, aktiv die vorhandenen Möglichkeiten einer Absicherung von Preisrisiken zu nutzen. Dabei arbeiten in der Regel Einkaufs- und Treasuryabteilungen in den Unternehmen eng zusammen. Letztere werden insbesondere dann involviert, wenn ein Unternehmen auch kompliziertere Finanzprodukte einsetzt.
Generell haben Unternehmen folgende Möglichkeiten eine Preisabsicherung durchzuführen:
Kassageschäfte
Bei einem Kassageschäft wird das Edelmetall zum aktuellen Tagespreis ge- oder verkauft. Die Erfüllung (Valuta) der gegenseitigen Zahlungsverpflichtungen erfolgt zwei Tage nach Abschluss. Bei einem Kassageschäft wird zwischen den Vertragsparteien, wie bei allen Handelsgeschäften, der Erfüllungsort für den Fall einer physischen Lieferung vereinbart. Handelt es sich um ein sog. Buchgeschäft, wird vom Käufer die kontoführende Adresse mitgeteilt, bei der die Gutschrift auf ein Edelmetallkonto erfolgen soll.
Im internationalen Edelmetallhandel werden die Metalle üblicherweise in Dollar je Feinunze gehandelt. Heraeus bietet Firmenkunden aber auch die Möglichkeit Geschäfte auf Gramm- bzw. Kilogrammbasis abzuwickeln. Ein Abschluss kann dabei sowohl gegen US-Dollar, als auch gegen Euro getätigt werden.
Termingeschäfte
Termingeschäfte (Forwards) beinhalten den Kauf oder Verkauf von Edelmetallen gegen eine festgelegte Währung zu einem vereinbarten Termin, der mindestens drei Arbeitstage in der Zukunft liegt. Im Interbankenmarkt werden solche Geschäfte oft für standardisierte Perioden von 1 bis 24 Monaten abgeschlossen, allerdings gibt es auch einen Markt für Termingeschäfte, die zwischen diesen Standardfälligkeiten liegen (sog. Broken Dates). Auch längere Laufzeiten, sie können bis zu 7 Jahren betragen, sind grundsätzlich möglich, kommen aber vor allem bei Preissicherungsgeschäften zwischen Minengesellschaften und Banken vor. Der Kurs, zu dem ein Termingeschäft abgeschlossen wird, wird ausgehend von der Basis des Kassakurses, anhand der Zinsunterschiede der beteiligten Währung und des Metalls errechnet.
Zwei ausschließlich im Bereich des Edelmetallhandels vorkommende Formen von Swaps können den Austausch von Metallen an verschiedenen Lagerstellen (Location Swap) oder in verschiedenen Feinheiten (Quality Swap) beinhalten. In diesem Fall ergeben sich die Preise für Swaps nicht aus den Zinsunterschieden, sondern durch Kosten für Transport bzw. Versicherung oder durch die Kosten für die Umarbeitung von einer Qualitätsstufe in eine andere.
Futures - Eine Sonderform des Termingeschäftes
Bei Futures handelt es sich um standardisierte Termingeschäfte, u.a. mit festen Fälligkeiten, die an einer Börse gehandelt werden. Die wichtigsten Börsen für Edelmetalle sind die TOCOM in Tokio die NYMEX/COMEX in New York, sowie CBOT in Chicago. Aufgrund der eher komplexen Abwicklung (z.B. durch Margenzahlungen, Einschaltung von Brokern etc.) macht die Verwendung von Futures zur Preissicherung für Unternehmen keinen Sinn.
Limitaufträge (Orders)
Wenn ein Kunde einen Edelmetallkauf oder -verkauf plant, aber nicht die ganze Zeit das Geschehen an den Metallmärkten hautnah verfolgen kann, bietet Heraeus die Möglichkeit, einen Limitauftrag (auch Order genannt) zu platzieren.
Damit überträgt der Kunde an Heraeus die Aufgabe, beim Erreichen des Preislimits automatisch am Markt tätig zu werden und die Order automatisch auszuführen. Dank der globalen Vernetzung des Heraeus Edelmetallhandels ist eine Überwachung von Limitaufträgen rund um die Uhr gewährleistet. Nach der Ausführung einer Order kann diese entweder als Kassageschäft behandelt werden (Zahlung von Metall und Gegenwert nach zwei Tagen) oder als Grundlage für ein Termingeschäft dienen.
Optionen
Neben Kassa- und Termingeschäften sind Optionen das am weitesten verbreitete Finanzprodukt auf den Edelmetallmärkten. Mit dem Kauf einer Option wird vom Käufer eine "Versicherung" erworben, die ihn gegen eine unvorteilhafte Preisbewegung schützt. Da der Käufer mit einer Option zwar ein Recht zur Ausübung erwirbt, aber keine Verpflichtung, kann er an Preisvorteilen, die während der Laufzeit entstehen, weiter partizipieren.
Für das erworbene Recht hat der Käufer dem Verkäufer zwei Tage nach Geschäftsabschluss eine sog. Prämie zu zahlen. Die Vertragsparteien einigen sich bei Geschäftsabschluss außer auf die Prämie auch auf die Art der Option (Kauf-(Call-) oder Verkaufs-(Put-)option); die dem Geschäft zugrunde liegende Menge; den Ausübungspreis sowie den Fälligkeitszeitpunkt. Optionen sind für Gold, Silber, Platin und Palladium erhältlich, nicht jedoch für Rhodium, Ruthenium und Iridium. Die Mindestmengen betragen 500 Unzen (ca. 15,5 Kilo) bei einem Einzelgeschäft, oder 3 x 250 Unzen bei einer Reihe von aufeinander folgenden monatlichen Fälligkeiten. Optionen werden in der Regel zwei Tage vor dem letzten Arbeitstag eines Monats fällig (Ausübung), abweichende Termine sind aber jederzeit möglich. Eine physische Lieferung kann vereinbart werden.
Verschiedene Optionsstrategien:
- Bandbreitenoption (Zero-Cost-Option)
Sie ist die Kombination einer verkauften Verkaufsoption und einer gekauften Kaufoption (oder umgekehrt). Beide Prämien werden miteinander verrechnet, sodass die Strategie im Idealfall keine Kosten verursacht. Der Käufer ist gegen einen steigenden Preis abgesichert und kann in beschränktem Umfang sogar noch an fallenden Preisen partizipieren.
- Optionsserie
Der Käufer einer solchen Serie kauft z.B. eine ganze Abfolge von Optionen mit gleichen Basispreisen, aber für verschiedene aufeinanderfolgende Fälligkeiten.
- Knock-in- / Knock-out-Optionen
Sie sind eine vor einigen Jahren entwickelte Variante der sog. “exotischer” Optionen. Ein Knock-out-Kauf-Option verfällt z.B., wenn der Kassapreis auf ein bei Abschluss zusätzlich vereinbartes Preisniveau sinkt. Der Verfall der Option in diesem Moment wird aber aufgewogen durch den Umstand, dass der Käufer dann das Metall günstiger im Kassamarkt kaufen kann und die Option, die als Versicherung gegen steigende Preise gedacht war, somit nicht mehr benötigt. Durch die eingebaute Möglichkeit eines Verfalls einer solchen Option ist die anfangs zu zahlende Prämie niedriger als diejenige für eine herkömmliche Option. In der Regel ist der Einsatz dieser Optionen auf den Interbankenmarkt bzw. das Geschäft mit institutionellen Investoren beschränkt.